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Boys’Day, Girls’Day


Boys’Day, Girls’DayBild: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

Am 25. April ist Zukunftstag! Da sollen Jungen ehedem "typisch weibliche" Berufe kennenlernen, Mädchen die von Männern "beherrschten" technischen und naturwissenschaftlichen Arbeitsplätze besuchen. Jeweils gilt "girls only" bzw. "nur für Jungs"!

Einmal im Jahr wenigstens sollen Jungen und Mädchen getrennte Wege gehen und die vom jeweils anderen Geschlecht dominierten Berufe und Fähigkeiten kennenlernen. Mädchen schnuppern am Girls'Day in Berufe aus dem technischen, naturwissenschaftlichen oder handwerklichen Bereich oder besuchen Frauen in Führungspositionen, um mit ihnen über Berufs- und Lebensplanung zu sprechen. Jungen schauen in Berufe aus dem sozialen, pflegerischen und erzieherischen Bereich hinein, trainieren in Workshops ihre sozialen Kompetenzen oder sprechen mit anderen Jungen und Männern über Männlichkeit und Rollenbilder.

Jungs überlisten? Unnötig!


Wie die wissenschaftliche Begleitung des Projekts "Neue Wege für Jungs" ergab, ist die Mehrzahl der Jungen offen für jungenpädagogische Workshops und Aktionen. Mit ihrem Wunsch nach Orientierung sehen die Jungen hier eine gute Möglichkeit, sich mit Fragen der Berufs- und Lebensplanung sowie mit Männlichkeitsvorstellungen und Rollenbildern zu beschäftigen. Entgegen den Erwartungen vieler Pädagoginnen und Pädagogen müssen Jungen zur Teilnahme an geschlechtssensiblen Angeboten also weder überlistet, noch inhaltlich überzeugt werden.

Dank der spezifischen Ansprache bietet der Girls’Day Mädchen die Möglichkeit, techniknahe Berufe frei von Geschlechterklischees bei spannenden Mitmach-Aktionen auszuprobieren. Auch für Unternehmen und Organisationen ist der Aktionstag eine Chance, die Potenziale von Mädchen und Frauen für diese Bereiche verstärkt zu entdecken, sich weiter zu entwickeln und neue Talente zu gewinnen.

Weit mehr Angebote für Mädchen


Über 150 Initiativen organisieren zum 25. April mehr als 4300 Veranstaltungen für Jungen - häufig ehrenamtlich. Etwa 31.000 Plätze stehen an diesem Tag für die Jungen bereit. Für die Mädchen gibt es ungleich mehr Angebote: Über 360 Arbeitskreise bieten über 5100 Veranstaltungen an, über 71.000 Plätze stehen für sie bisher zur Verfügung. Das ist kein Wunder, schließlich gibt es den Girls’Day seit Jahrzehnten. Der Boy’sDay hingegen musste mit massivem Druck seitens Eltern, Initiativen und Experten durchgesetzt werden, auch die Finanzierung ist nicht überall gesichert.

Erfahrungen und Kritik


Mehr als 33.000 Jungen nahmen 2012 am Boy'sDay teil. Über 4500 Betriebe und Initiativen beteiligten sich. Nach Angaben von Neue Wege für Jungs hat er über 90% von ihnen gut gefallen. Etwa die Hälfte der Jungen gaben an, einen Beruf kennengelernt zu haben, der sie interessiert, ein Fünftel kann sich vorstellen, später in diesem Job zu arbeiten. Auf die Liste der Top 10 der Wunschberufe der Jungen schafften es drei Berufe, die für Jungen untypisch sind: Platz 8: Krankenpfleger, Platz 7: Lehrer und ganz oben rangiert auf Platz 1: Erzieher!

Kritik kommt von Veranstaltern des BoysDay vor allem an der zentralen Organisation durch Neue Wege für Jungs. Aufgrund des hohen Organisationsaufwandes seien einige Anbieter, vor allem Kindergärten, in Hamburg als Anbieter abgesprungen. Große Anbieter, vor allem Krankenhäuser, würden Jungen und Mädchen bei den Aktionen nicht mehr trennen. Ebenso wurde - vor allem in kleineren Großstädten - mangelnde politische Unterstützung durch die Stadtverwaltung beklagt, auch die finanzielle Ausstattung sei mangelhaft. In einer norddeutschen Universitätsstadt war es z.B. unmöglich 200 Euro für Werbung von der Stadt bewilligt zu bekommen.

Wer Jungen für soziale und pflegerische Berufe begeistern will, hat es offenbar nicht so schwer wie früher angenommen. Allerdings sollten Vorgaben der zentralen Organisation - die ja auch die Mittel aus Steuergeldern vergibt - nicht dazu führen, dass ehrenamtliche Mitarbeiter und Initiativen vergrault werden. Sie sind die Aktiven, die seit Jahrzehnten sich um Jungen bemühen. Wer öffentliche Gelder dann an Wohlverhalten und noch mehr unbezahlte Arbeit knüpft, braucht sich nicht zu wundern, wenn ehrenamtliches Engagement nachlässt.

Ralf Ruhl

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